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New York New York

Eves Sicht der Dinge:

Also sie meinten ja schon immer damals, dass, wenn ich so weitermache, ich mal in Teufels Küche landen würde. Und jetzt bin ich da. In Teufels Küche. Heisst echt so: Hells Kitchen, das ist ein Stadtteil von New York.
Ich glaub, weil da die Hölle los ist. Und weil es so heiß ist. Also echt. Gestern, als wir aus dem Flughafen raus sind, dachte ich, es läuft jemand mit einem überdimensionalen Fön um uns rum und befönt uns von allen Seiten. Oder dass der Wärmevorhang eines Kaufhauses mit uns mitgegangen ist. (Für die, die diese Wärmevorhänge nicht kennen, das sind so Art Warmluftduschen von oben, wenn man größere Kaufhäuser betritt. Also in unseren Breitengraden zumindest). Hier ist die ganze Stadt eine Warmluftdusche. Dafür ist es in so ziemlich allen Gebäuden und auch Verkehrsmitteln wieder relativ kalt.

So, und ich hatte ja vor eine Art Reisetagebuch der Sinne hier zu schreiben. Sinne deshalb, weil ich es immer sehr interessant finde, wie sich eine Stadt mit allen Sinnen anfühlt. Ok, höchst subjektiv natürlich. Aber:
Hier schauts aus, mein lieber Schwan, da muss mal wer mit einem Putzfimmel kommen und die Stadt aufräumen, alles liegt hier rum, Dreck an allen Ecken und Enden. Oki, ich bin eh eher schlampig, von daher stört es mich nicht so, aber ein Unterhosenzusammenleger würde bestimmt sofort anfangen, mit Besen und Schaufel die Straßen zu kehren.
Kai hat mich ja erst durch das Times Square Vergnügungsviertel geführt, das Malle New Yorks quasi. Und ich fands gruselig. Hunderttausen Leute auf einem Fleck und dann der Straßendreck und das ganze Chaos. Ich hab mir da erstmal gedacht, dass ich New York nicht leiden kann.
Bis das Rockefeller Center kam. Dann hat sich die Stadt in ihrer Schönheit gezeigt und ich war hin und weg. Vor allem wegen dem Spruch, der über dem Eingangsbereich steht:  „WISDOM AND KNOWLEDGE SHALL BE THE STABILITY OF THY TIME“. Muss ich die Tage nochmal fotografieren. Wir sind zufällig in eine Führung geraten und der Guide, ein Marc, war so mitreissend, dass ich Augen und Ohren aufgerissen habe und erfahren habe, dass Frida Kahlo und Diego Rivera hier ihr wunderbares Gemälde in den Eingangsbereich gemalt haben, das dann aber aus Gründen der Uneinigkeit zwischen Diego und dem Herrn Rockefeller bezüglich einiger abgebildeter Personen abgekloppt wurde. Schade.
Aber soviel zu den visuellen Eindrücken.

Das Ohr sagt: ist laut hier. Echt wahr, viel Lärm, Straßenlärm und Leutelärm.
Der Mund sagt: lecker hier, bis auf das Leitungswasser, so gechlort, dass man auch aus dem Schwimmbecken trinken könnte. Aber mit Eiswürfeln. Alles.
Die Nase sagt: uah, hier stinkts echt nach Pisse, an jeder Straßenecke. Und Müll (es lagen gerade die Mülltüten draussen, ist wohl Müllabfuhrtag morgen) und bei 30 Grad und geföhnter Luftfeuchtigkeit stinkt es halt. Als versöhnliche Geste habe ich meine Nase (mein Geruchssinn ist kurz vor Drogenspürhundniveau, was Fluch und Segen zugleich ist und nachdem der Fluch in Form von Müll und Gepieseltem daherkam, musste es danach zum Ausgleich der Segen sein)  dann zu Bergdorf Goodman (so was wie Harrods) geführt und mich mit Kai durch die Edeldüfte der Welt gewühlt.
Die Parfums von Clive Christian für ca. 840 $ waren gar nicht mal so schlecht, aber glücklicherweise nicht so gut, dass ich sie unbedingt haben wollte. 840 $. Uah! Aber eine neue Marke entdeckt. MEMO Paris, davon das Parfum African Rose. Für schlappe 350 $. Das war so gut, dass es mich doch geärgert hat, nicht eben mal 350 $ für ein Parfum ausgeben zu können.
Der Tastsinn sagt: Uah, ich fühl mich so klebrig, hatte echt das Bedürfnis, mir die Stadt abends abzuwaschen. Was aber auch am Burger liegen könnte, elegant Burgeressen glaub ich schafft keiner. Nicht?

Abend lagen wir dann doch ziemlich platt in unserem Boxspringbetten (nie hätte ich gedacht, mich mal in ein Boxspringbett zu legen, weil ich das Wort so greislich finde) und während Kai den gestrigen Eintrag getippt hat, hab ich ihm schon in die Achselhöhle geschnarcht.

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